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CSA Stories

10 Fragen an einen Bergführer - Sicher auf Skitour

1. Was sind die wichtigsten Grundlagen, bevor man überhautp eine Skitour plant?

Zuerst prüfe ich den Lawinen- und Wetterbericht. Auf dieser Basis entscheide ich, in welchen Regionen eine passende Tour möglich ist. Unter Berücksichtigung des Fitnesslevels und des Fahrkönnens meiner Teilnehmer plane ich anschließend die Tour und behalte stets eine Alternative im Hinterkopf.
Ebenso wichtig ist die sorgfältige Vorbereitung des Equipments: ist alles vollständig, funktioniert die Ausrüstung und sind die Batterien geladen?
Zu guter Letzt ein wichtiger Hinweis:
niemals allein unterwegs sein und daheim Bescheid geben, wohin es geht.
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Tipp der Skischule: schon lange nicht mehr im Gelände unterwegs? Oder sogar das erste Mal? Dann besucht vorab einen Technik-Auffrischungskurs fürs Tiefschneefahren, in der Skischule eures Vertrauens und einen Lawinenkurs.
2. welche Ausrüstung gehört unbedingt ins tourengepäck?
 
Lawinensicherheitsausrüstung (siehe Infobereich unten), Schaufel, Sonde, Airbag-Lawinenrucksack empfehlenswert, Helm, Brille ggf. mit Wechselgläsern, Harscheisen (je nach Tour und Schneebedingungen), Erste-Hilfe-Pack, pro 2er Team einen Biwaksack, Aludecke pro Person, kleines Reparaturset (Multitool, Kabelbinder, Tape), warmer Tee und energiegebende Snacks (Müsliriegel, Traubenzucker,...), funktionelle Kleidung (Zwiebelschicht), Sonnenschutz und Handy mit vollem Akkus.
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Tipp des sportfachgeschäfts: 
LVS: 3-Antennen, einfache Bedienung, zuverlässige Reichweite
SONDE: Aluminium, mind. 240 cm, schnell gespannt
SCHAUFEL: Metallblatt, stabiler Stiel, praktische Größe
AIRBAG: sinnvoll, jedoch kein Ersatz für Basis-Set
TRAINING: das beste Material nützt nichts, ohne Training
3. Wie liest du als Bergführer die lawinensituation richtig - und was rätst du einsteigern?
 
Als Bergführer informiere ich mich laufend über den aktuellen Lawinenlagebericht und das Wetter, auch wenn ich keine Touren habe. Nur so habe ich immer die Beschaffenheit bzw. den Prozess der Schneedecke im Kopf. Ich grabe Schneeprofile, beobachte die Schneedecke und weiß über mögliche Schwachschichten Bescheid.
Der Lawinenlagebericht ist nur eine Empfehlung! Sie dient zwar als Basis meiner Tourenplanungen, aber der Hang wird immer separat beurteilt, denn auch bei LWS 1 bleibt ein Restrisiko am Berg und ein Lawinenabgang ist möglich.
Einsteigern rate ich, unbedingt einen Lawinenkurs zu besuchen. Ich erlebe es in meinem Beruf immer wieder, dass Teilnehmer zwar mit dem neuesten Equipment erscheinen, eine kurze Einweisung vom Verkaufspersonal erhalten haben (wenn überhaupt) und sich dann vor Ort nicht auskennen. Vor allem darf man nie den Stresslevel vergessen, sollte man mit einer Lawinensituation konfrontiert werden.
Man MUSS sich mit der Ausrüstung vorab auseinandersetzen und den Ernstfall trainieren.
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Inhalte eines professionellen lawinenkurses:
LAWINEN VERSTEHEN: Entstehung, Lawinenarten, Schnee- und Wettereinflüsse
SICHER PLANEN: Tourenplanung, Entscheidungsstrategien, menschliche Faktoren
RISIKEN RICHTIG EINSCHÄTZEN: Lawinenlagebericht lesen, Gefahrenstufen erkennen, Gelände beurteilen
AUSRÜSTUNG BEHERRSCHEN: LVS-Check, Suche, Sondierung, effizientes Schaufeln
RICHTIG HANDELN IM ERNSTFALL: Kameradenrettung, Notfallmanagement, Praxisübungen im Gelände
 
4. Wie erkennt man, ob ein hang zu gerährlich ist?
 
Für einen Laien ist das schwer zu beurteilen, jedoch wäre mein Tipp, unter 30 Grad zu bleiben und sich am Lawinenlagebericht zu orientieren. Es muss auch immer das Einzugsgebiet mit beobachtet werden, sprich das Gelände darüber.
Zur Beurteilung der Hangneigung gibt es bereits gute Handyapps (SnowSafe, Clinometer) und die Stocktechnik (lernen wir auch in Lawinenkursen).
Als Faustregel gilt: 30 Grad beginnen meist dort, wo wir mit Spitzkehren anfangen zu gehen. Desweiteren muss auf Gefahrenzeichen geachtet werden: Triebschneeansammlungen, Schneeverwehungen, sehe ich frische Lawinen, Risse im Schnee und Setzungsgeräusche (Wummgeräusche).
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hast du gewusst? Die Expositionen (geografische Ausrichtung des Hanges) ist entscheidend - ca. 70% aller Lawinenunfälle passieren im nördlichen Sektor.
5. Wie fit sollte man für eine skitour sein - und wie bereitet man sich körperlich am besten vor?
 
Eine gute Kondition, Kraft und Ausdauer sollten auf jeden Fall gegeben sein. Das Gehen im Gelände mit Hangneigungen sollte einen - Sommer wie Winter - nicht sofort außer Puste bringen. Ist das der Fall, wäre parallel ein Kraft-Ausdauer-Training zu empfehlen und sich unbedingt langsam herantasten.
Die Tourenlänge passe ich immer an meine körperliche Fitness und Fahrkönnen, bzw meiner Gruppe an und vergesse nie, dass ich auch Kraftreserven für die Abfahrt benötige.
Und zu guter Letzt: immer am Ball bleiben! Auch im Sommer sollte ein Kraft-Ausdauer-Programm verfolgt werden, um im nächsten Winter immer ein Stück besser und sicherer zu werden.
6. WAs ist der häufigste fehler, den du bei skitourengehern siehst?
 
Die Selbsteinschätzung: Kraft, Ausdauer und das eigene Fahrkönnen im Tiefschnee werden oft überschätzt. Ebenso die Höhe, bzw. zu kurze Akklimatisierung können gerade bei hochalpinen Touren ein großes Problem werden.
Auch falsches Zeitmanagement (zu spätes Losgehen) und die fehlende Routine in der Handhabung mit lebenswichtigem Equipment sehe ich leider immer wieder.
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nicht zu unterschätzen:
Pistenfahren ist nicht gleich Tiefschneefahren! Auch erfahrene Pistenfahrer tun sich anfangs im Gelände meist sehr schwer. Ich empfehle jedem, einen Technikkurs über eine Skischule zu besuchen.
7. wie geht man richtig mit der gruppe um - vor allem wenn leistungsniveaus unterschiedlich sind?
 
Hier zählt der altbewährte Spruch: die Gruppe ist so stark, wie das schwächste Glied. Wenn ihr ohne Bergführer unterwegs seid, gilt der Tipp: die Erfahrensten zuerst und zuletzt - beim Aufstieg und der Abfahrt.
Bergauf werden Entlastungsabstände von ca. 20 m eingehalten werden und bergab geht es einzeln. Man bespricht vorab den Hang und einigt sich auf sichere, übersichtliche Haltepunkte und hält ein Pausenmanagement ein.
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Wichtig:
Im Gelände seid ihr ein Team! Bedenken und Ängste dürfen jederzeit geäußert und besprochen werden. Sofern möglich wird die Tour neu angepasst und eine defensivere Variante - beim Aufstieg, wie auch Abfahrt - gewählt.
 
8. Kann sich das Gelände im laufe des skitages verändern - und wann sollte man besser umdrehen?
 
Ja! Auf tageszeitliche Erwärmungen, nicht nur im Frühjahr, achten. Man sollte in diesem Fall zeitig losgehen und auch das Wetter die Tage zuvor beobachten. Hier dienen super die Messstationen (Lawis.at). Ich achte auch immer darauf, ob die Nacht zuvor klar oder bedeckt war - habe ich ausreichend Kältereserven in der Schneedecke?
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gefahrenzeichen und grund zur umkehr:
FEUCHTE SCHNEEDECKE: sehe und spüre ich eine Befeuchtung - Nassschneelawinengefahr steigt
WETTER: dichter Nebel, schlechte Sicht, Gewitterstimmung, usw.
WIND: Lawinenrisiko steigt: beim Losgehen lockerer Schnee, durch Wind: Triebschneegefahr!
bei unwohlsein immer umkehren: intuition vor wille!!
 
9. welche Rolle spielt nachhaltigkeit und respekt gegenüber der natur beim tourengehen?
 
Als Tourengeher haben wir Verantwortung der Natur und den Wildtieren gegenüber. Wir informieren uns über Wildruhezonen und versuchen diese zu vermeiden. Schutzgebiete und Fütterungszonen sind sensible Gebiete und dürfen nicht betreten werden.
Bei Wildtiersichtung appellier ich an alle, den Tieren Zeit zu geben, sich in Ruhe zurück ziehen zu können. Jede Flucht bedeutet Stress und einen unnötigen Kraftaufwand für die Tiere. Gerad in der kalten Jahreszeit müssen sie mit ihrer Energie haushalten.
Und leider sollte es nicht extra erwähnt werden, aber leider sieht die Realität anders aus: Müll jeglicher Art, auch Bananenschalen, Taschentücher, Zigaretten haben am Berg nichts zu suchen!
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Info am RAnde:
Wusstest du, dass ein einzelndes Taschentuch bis zu 5 Jahre im alpinen Raum benötigt, um zu verrotten? Feuchttücher sogar bis zu 10 Jahre. Und Zigarettenkippen? 10 - 15 Jahre! Eine einzelne Zigarette kann 1.000 Liter Wasser verunreinigen und das darin enthaltene Mikroplastik bleibt.
 
10. welchen rat gibst du jemanden, der seine erste skitour plant?
 
Nimm dir Zeit für alles. Es fängt bei Kauf von hochwertiger Ausrüstung im Sportfachgeschäft an, geht es über das Erlangen von lebenswichtigem Fachwissen, bin hin zu einer ehrlichen Selbsteinschätzung von dir selbst und einer Gruppe. Sie dient als Basis der Tourenplanung, in Zusammenarbeit mit Wetter- und Lawinenlagebericht. Ziehe niemals auf eigene Faust alleine los, schließe dich im Idealfall erfahrenen Personen an, oder buche dir einen Bergführer.
Und auch wenn ich mich wiederhole: besuche einen Lawinen kurs! Nicht nur vor deiner ersten Tour, auch in regelmäßigen Abständen immer wieder.
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Schlusswort der redaktion:
 
Skitourengehen ist mehr als nur aufstieg und abfahrt - es ist Spiel mit der natur, ihren Elementen und verantwortung. sich selbst gegenüber, der gruppe, der natur, aber auch den lieben, die zuhause auf einen warten.
 
Die antworten unseres bergführers zeigen, wie wichtig vorbereitung, wissen und die nötige ausrüstung sind. und dass das verständnis über schnee, die topografie und diesen sport gar nicht so einfach ist, wie es auf den ersten blick scheint.
Wer die grundlagen beherzigt, kann nicht nur sicher unterwegs sein, sondern die berge in vollen zügen geniessen.
 
denn jede tour ist eine mischung aus abenteuer, purem glück und unendlicher freiheit.
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